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Die Sonne hatte die Botschaft verstanden und spielte mit beim 2. Europäischen Fachkongress Solarien und Besonnung. Alles was Rang und Namen hat in der Solarienbranche hatte sich im Europaparkt in Rust zum Jahresevent rund und Sonne und Besonnung versammelt.
Im noblen Colosseo mit leicht antikem Flair ging es nach der Begrüßung der 250 Kongressteilnehmer durch den BfB-Vorsitzenden Dr. Norbert Schmid-Keiner denn auch im ersten Teil des Programms um die “böse” und die “gute” Sonne und um die Entscheidung für eine von beiden.
Der Kongress im Video-Zeitraffer
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Kleine Version (wie unten zu sehen) - 27 MB
Der Griff nach den Trendsettern
Die Botschaft des Trendforschers Bernhard Heinzlmaier hätte nicht eindeutiger ausfallen können:
In seinem Vortrag zum “Sonnenstudio der Zukunft” geißelte er ebenso witzig wie zielsicher alles, was auch nur von weitem an Turbo-Bräune und Deko-Palmen seligen Angedenkens erinnerte.
Mit Hilfe von sogenannten Sinus-Milieus, Typen sozialer Lebenswelten und sozialer Schichten, demonstrierte er den gebannt zuhörenden Studio-Betreibern die Notwenigkeit, ihre Denke, Kommunikation und Stilsprache einer Klientel anzupassen, die, so Heinzlmaier, bisher eher selten den Weg in die Sonnenstudios gefunden hätte und die alles Schrille und Übertriebene verabscheue: Die besser ausgebildeten und besser betuchten mittleren und Trendsetter-Schichten von der “bürgerlichen Mitte” bis zu den “Modernen Performern” und den “Experimentalisten“.
Diese neuen Meinungsführer setzten auf drei Trends, denen das Studio der Zukunft gerecht werden müsste:
und das in einer stilsicheren, eher zurückhaltenden aber bildhaften Ansprache.
Sein Rat an die Branche: Setzen Sie auf diese neuen Zielgruppen und damit auf die Trendsetter, die anderen werden schon folgen!
Ohne die Initiative Sanftes Sonnen einiger Betreiber zertifizierter Studios beim Namen zu nennen, hatte Heinzlmaier zielgenau deren Programm beschrieben. Und lieferte nicht nur damit dem nächsten Redner eine Steilvorlage.
Die staatliche Regulierung aller Solarien kommt!
Der Vertreter der Bundesregierung, der Leiter der Strahlenschutzabteilung im Bundesumweltministerium, Dr. Karl Eugen Huthmacher, nahm den Ball dankbar auf.
Mit einer freundlichen Geste in Richtung zertifizierter Studios im allgemeinen und der Initiative Sanftes Sonnen im besonderen ließ Dr. Huthmacher aber keinen Zweifel an der Entschlossenheit seines Ministeriums, die wichtigsten Kriterien des Runden Tisch Solarien (RTS) für alle Studios durchzusetzen - und die 0,3W/m² auch für Altgeräte ohnehin.
“Noch nicht alle scheinen das Problem richtig verstanden zu haben!” und in Richtung der versammelten Studio-Betreiber: “Die gesetzlichen Regeln gelten immer und für alle. Die Sicherheit der UV-Bestrahlung muss von allen gewährleistet werden.”
Bei der Frage nach den Übergangsfristen gab er sich zwar konziliant, verwies aber auf die verstrichene Zeit seit Einführung der Zertifizierung. Trotz de Feststellung: “es bewegt sich etwas, die Branche ist im Aufbruch!” sei nach der jahrelangen Hinhaltetaktik der Branche der Eingriff des Gesetzgebers unvermeidlich geworden.
Auch in den Detailfragen, wie etwa der Beratungsqualität und er Zulässigkeit von SB-Studios oder bei dem geforderten Unbedenklichkeitsnachweis für Solarkosmetika bezog der Regierungsvertreter klare Positionen:
Zu dem zweiten Punkt dann noch eine Klarstellung in der anschliessenden Fragerunde, die kein Ende nehmen wollte und den Zeitplan des Kongresses zu sprengen drohte:
Auch in zertifizierten Studios kann alle Solarkosmetik verkauft werden, es muss aber von ihrem Gebrauch vor der Besonnung abgeraten werden - bis die Bescheinigung vorliegt.
Auf die Frage, warum hier wieder einmal nur die Solarien, nicht aber der Verkauf anderswo von ähnlichen Solarkosmetika auf`s Korn genommen würde, hatte Dr. Huthmacher nur ein freundlich verständnisvolles Schulterzucken, mit dem ein “selbst schuld” zumindest angedeutet wurde.
Der Weg sei vorgezeichnet, die Erfolgsvoraussetzungen für die Zukunft seien die vom Vorredner skizzierten. Der Ministerialbeamte als Trendforscher.
Die Wissenschaft auf Seiten der (sanften) Sonne
Auf solidem wissenschaftlichen Boden aber mit gleicher Richtung dann das Wort aus der Forschung: Prof. Dr. Jörg Reichrath referierte, was manchem im Saal revolutionär vorkam, was aber Lesern des BfB-Weblog und der BfB-News sehr vertraut klang:
“Sanftes Sonnen” ist nicht nur der Stil der Zukunft sondern auch ein besonders effizientes Gesundheitskonzept. Solarium und Gesundheit können ein harmonisches Paar sein oder zumindest werden.
Der weltweit renommierte Forscher mit dem fast schüchternen Gestus versuchte, die komplexen Zusammenhänge einem aufmerksamen Publikum verständlich zu machen: Die Wiederentdeckung der “heilenden Sonne”.
Sein Vortrag galt vor allem den erstaunlichen Erkenntnissen aus neuerer Zeit über die Gesundheitswirkungen des “Sonnenschein-Vitamins“, Vitamin D. Moderate, auf die individuellen Voraussetzungen abgestimmte Besonnung könne ein probates Mittel zur Bekämpfung des weitverbreiteten Vitamin D-Mangels sein, bekräftigte Reichrath auch auf dem “roten BfB-Sofa” beim Video-Interview. (Die Interviews auf DVD mit Prof. Reichrath, Dr. Huthmacher und Bernhard Heinzlmaier können beim Bundesfachverband für Besonnung gegen eine Bearbeitungsgebühr abgerufen werden).
Prof. Reichrath erläuterte ausführlich den für das Sonnenverhalten entscheidenden Unterschied bei der Entstehung des relativ harmlosen „weissen“ zum gefährlicheren „schwarzen“ Hautkrebs. Der „weisse“ Hautkrebs entstehe vor allem im Alter nach langanhaltender, andauernder Sonnenbestrahlung. Der „schwarze“ Hautkrebs dagegen werde begünstigt durch abrupte, starke UV-Bestrahlung mit Sonnenbränden vor allem im Kindesalter, während sich hier eine andauernde, mäßige UV-Bestrahlung gerade umgekehrt, nämlich als langfristiger Schutz vor dem „schwarzen“ Hautkrebs auswirke.
Sanftes Sonnen als wichtiger Auslöser der Vitamin D-Synthese sei inzwischen als Vorsorge gegen Krebs, Osteoporose, Multiple Sklerose, Diabetes, Tuberkulose und wohl auch verschiedene psychische Erkrankungen gut belegt. Er warnte allerdings vor pauschalen Aussagen. Zu viel Sonne oder zu wenig Sonne, das könne immer nur individuell entschieden werden.
Sicher sei allerdings, dass die gelegentlich hysterischen Warnungen vor der Sonne zu weit gegangen seien. Auch in Deutschland habe deshalb bei Gesundheitsorganisationen und auch bei den Dermatologen ein Umdenken eingesetzt
Die Wissenschaft hat hier längst die Richtung gewiesen. Nun muss nur noch die Praxis auf breiter Front folgen.
Die Praxis kam denn auch im Folgeprogramm ausgiebig zu ihrem Recht.
Die schwierige Öffentlichkeits- und Pressearbeit zwischen globalen Imageproblemen und lokaler Kontaktpflege schilderte mit vielen Tipps für die Arbeit vor Ort der Münchener PR-Profi Michael Märzheuser.
Noch ein Stück näher an der Studio-Praxis: Der Workshop “Werbung mit kleinem Budget” mit der branchen-erfahrenen Moderatorin Stefanie Griesbaum.
Der rechte Umgang mit dem Kunden war dann Gegenstand gleich mehrerer Vorträge und Workshops, in denen - nicht immer unwidersprochen - eine Fülle von praktischen Hinweisen und Verhaltenstipps geliefert wurden.
Die Piranhas sind unter uns
Sascha Bartnitzki, Experte für Verkauf und Autor vieler Marketing-Texte in allen Medien, präsentierte seine patentierte Philosophie vom PiranhaSelling anschaulich und nah an der täglichen Praxis der Sonnenstudios entlang. Gefressen werden - wer will das schon! Bartnitzki programmierte seine Zuhörer dagegen auf`s Fressen.
Vom rechten Umgang mit dem Kunden
Aug in Auge mit dem Kunden - wie die Studio-Mitarbeiter/Innen auch schwierige Themen rüberbringen können, welche Haltung und welche Botschaften auch höhere Preise rechtfertigen und wie man auf Augenhöhe auch mit unangenehmen Kunden umgehen kann, das zeigten die Vorträge von Kristine Brandenburg und Udo Kalweit und lösten lebhafte Diskussionen aus.
Handfest und einprägsam der Workshop zu Körpersprache, Präsenz und Gesprächskultur mit der bekannten Trainerin Angelika Weiss.
Und dann durfte auch noch gelacht werden, und zwar lautstark und anhaltend: Bärbel Hinz-Käfer übte mit den Teilnehmern ansteckende Fröhlichkeit. Nich nur “Sex sells” sondern auch “Smile sells“
Mit Dynamik und Leidenschaft: Was tun, wenn der Kunde kommt - der Mitarbeiter aber nicht?
Nach der dann folgenden, markerschütternden Heiterkeit beim atemberaubenden Vortrag des Motivations-Oldies Joachim Bullermann zu urteilen hat die Branche - allen Unkenrufen zum Trotz - den kollektiven Depri längst hinter sich gelassen und ist im brüderlichen Schulterschluss der Qualitäts-Studios auf dem Weg zur Sanften Sonne und zur Freiheit von Überlebensangst.
Stimmungsvoller Ausklang
Der ebenso anstrengende wie anregende Kongresstag klang für die meisten Teilnehmer aus mit einem lockeren (Fach-)Gespräch beim Apéritif und einem opulenten Abendessen mit Unterhaltungsprogramm.
Erste kommentare und das Fazit der Veranstalter: Gelungen!
Auf Wiedersehen beim 3. Fachkongress Solarien und Besonnung (BfB-Kongress) am 09. Mai in Berlin!
Als Video- und/oder als Ton-Dokumentation können
beim Bundesfachverband für Besonnung gegen eine geringe Bearbeitungsgebühr bestellt werden.
Weitere Berichte vom Kongress und laufende Infos über die Vorbereitungen auf den BfB-Kongress 2009,
3. Europäische Fachkongress Solarien und Besonnung am 09. Mai 2009 in Berlin
auf:
Sämtliche Fotos:
Claudia Hahn
Grafik - Illustration - Fotografie